West-Nil-Fieber: Das CRM rät Reisenden, Risikogruppen und Praxen zu mehr Aufmerksamkeit in der Mückensaison
Dem Thema West-Nil-Fieber muß künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, mahnt das CRM, Centrum für Reisemedizin in Stuttgart. Insbesondere Reisende, Risikogruppen und Praxen sollten die Virus-Infektion in Betracht ziehen, wenn auf einen Mückenstich Fieber folgt.
Denn kürzlich wurde erstmals auch in Rheinland-Pfalz eine lokal erworbene West-Nil-Infektion beim Menschen nachgewiesen. Schon seit 2019 gibt es in Deutschland einzelne Fälle lokal infizierter Menschen, wobei der Schwerpunkt zunächst eher in Ostdeutschland lag. Doch immer deutlicher zeigt sich das Virus nicht mehr als reine Reiseinfektion.
Nicht mehr nur ein Thema der Tropenmedizin
„West-Nil-Fieber ist kein ausschließlich tropenmedizinisches Thema mehr. Das Virus zirkuliert saisonal in Teilen Europas“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Tropenmedizin. 2026 meldeten mehrere Länder früh in der Saison Fälle, darunter Italien, Griechenland, Spanien, Nordmazedonien, Rumänien und Frankreich. Auch die USA verzeichnen mit 113 Infektionen bis Ende Juli ungewöhnlich viele Fälle.
„West-Nil-Fieber ist derzeit eines der wichtigten saisonalen Infektionsthemen in Europa“, so Professor Jelinek. Zwar bleibt eine Infektion für die meisten Menschen unbemerkt oder mild. Doch jede fünfte infizierte Person entwickelt Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder Hautausschlag. Etwa eine von 100 Personen erkrankt schwer, etwa an Meningitis oder Enzephalitis, vier Todesfälle sind bekannt. Gefährdet sind vor allem Ältere und Immungeschwächte.
Verbreitung durch die Culex-Mücke
Das West-Nil-Virus wird vor allem durch Culex-Mücken übertragen (Zahlreiche Unterarten kommen in Mitteleuropa vor, die bekannteste ist wohl die Culex pipiens, die Gemeine Stechmücke, Anm.der Red.).Vögel dienen als Reservoir; Menschen und Pferde tragen in der Regel nicht zur weiteren Verbreitung bei.
Diagnostik in der Mückensaison erweitern
„Wenn Patientinnen und Patienten im Spätsommer nach Aufenthalt in betroffenen Regionen mit unklarem Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Symptomen in die Praxis kommen, sollte West-Nil-Fieber differenzialdiagnostisch mitgedacht werden“, so Jelinek. „Das gilt nach Reisen nach Südeuropa oder in die USA, zunehmend aber auch nach Aufenthalten in betroffenen deutschen Regionen.“
In den ersten Krankheitstagen kann eine RT-PCR aus Blut oder Liquor sinnvoll sein, später stehen serologische Verfahren im Vordergrund. Wegen möglicher Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren oder Impfungen kann bestätigende Spezialdiagnostik nötig sein. Akute Infektionen sind meldepflichtig. Eine spezifische antivirale Therapie oder zugelassene Impfung für Menschen steht bislang nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Entscheidend bleibt daher die Expositionsprophylaxe.
So lässt sich das Risiko senken
Das CRM empfiehlt in betroffenen Regionen konsequenten Mückenschutz: lange, helle Kleidung, Repellents, Insektenschutzgitter, Moskitonetze sowie geschlossene Räume am Abend und in der Nacht. Stehendes Wasser im Wohnumfeld sollte entfernt werden. „Mückenschutz ist bei West-Nil-Fieber die zentrale Prävention“, betont Jelinek. „Das gilt besonders für Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe.“ Reisende sollten sich vor Aufenthalten in betroffenen Regionen informieren und bei Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Beschwerden nach Mückenstichen ärztlichen Rat einholen.
Quellen:
CRM Handbuch Reisemedizin 2026. 62. Auflage. Düsseldorf: CRM Centrum für Reisemedizin; 2026. doi:10.1055/b000001244
CRM Handbuch Reisemedizin, CRM Updates, 5. August 2026
Robert Koch-Institut: West-Nil-Fieber im Überblick, Stand: 29.07.2026, RKI – West-Nil-Fieber – West-Nil-Fieber im Überblick
CRM Centrum für Reisemedizin GmbH, Burgunderstr. 31, 40549 Düsseldorf
