Als wir Mitte Juli erfuhren, dass Toyota sein Offroadflaggschiff zum Testen anbietet, erschien uns dies als perfekte Möglichkeit aus der hitzigen, überfüllten Stadt rauszukommen und in ein kleines Abenteuer zu starten.

So kam es zu einem einwöchigen Roadtrip mit dem Toyota Land Cruiser in der „President“-Ausführung durch Österreich und Deutschland. Wir haben den enormen Stauraum (knappe 2000 L Ladevolumen!) mit unserem Hab und Gut bepackt: Gewand, Zelt, Campingausrüstung, Essen, Camera und los geht’s. In diesem Artikel möchten wir euch erzählen, was uns an dem Geländewagen gut gefallen hat und was wir hier und da vermisst haben. Außerdem wollen wir euch nebenbei ein kleinwenig von der Reise berichten.

Allgemeine Daten

Land Cruiser

2,8 D-4D 4WD President

Motor

2,8L Diesel

Leistung

177PS | 1.600 – 2.400 U/Min 450Nm

Getriebe

6-Gang Automatik

Antrieb

Allrad

Tankinhalt

87 L

Maximales Laderaumvolumen

1934 L

Länge

4840 L

Breite

1885 mm

Max. Zuladung

575 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst

3000 kg

Beschleunigung 0-100

12,5 sek

Höchstgeschwindigkeit

175 km/h

Offroad Features 

  • Crawl Control
  • Multi-Terrain-Auswahl
  • Multi-Terrain-ABS
  • Differentialsperre hinten
  • Mitteldifferentialsperre
  • Anhängerstabilisierungskontrolle
  • Berganfahr- (HAC) und Bergabfahrhilfe
  • Multi-Terrain-Monitor
  • 360°-Panoramic View Monitor
  • Unterbodenkamera
  • Lenkradeinschlagsanzeige

The four-wheeled Adventure

Schon bei den ersten Kilometern konnten wir feststellen, dass sich der Land Cruiser auf der Autobahn sehr wohl fühlt. Die verbaute Übersetzung erlaubt es auch noch bei hohen Geschwindigkeiten ökonomisch mit relativ niedrigen Drehzahlen zu fahren. Dies kommt auch der Geräuschkulisse zugute, welche schon fast einer meditativen Ruhe gleicht. Da das höhenverstellbare Luftfahrwerk auch sämtliche Bodenwellen und Kanaldeckel glattbügelt, fühlt man sich beinahe wie in einem Fahrsimulator.

Wie immer, nach dem Auffahren auf die Autobahn, suchte ich den Tempomaten. Toyota hat diesem einen ganz eigenen Hebel am Lenkrad gewidmet, was sich als äußerst benutzerfreundlich herausstellt. Der Tempomat war bei weitem einer der angenehmsten, den wir soweit ausprobieren durften. Die integrierte Distanzregelung hält durch gezieltes Bremsen und Beschleunigen einen selbst gewählten Abstand zum Vorderfahrzeug. Dieses Feature war auf den dicht befahrenen Autobahnen Deutschlands sehr praktisch.  Durch die Systeme mussten wir die Fußpedalerie kaum noch verwenden und lediglich die eingestellte Geschwindigkeit des Tempomaten (in 5-km/h-Schritten) an die Straßengegebenheiten anpassen.

Während einiger Autobahn-Kilometer erwiesen sich noch andere Funktionen als hilfreich: Straßenschild-Erkennung und Notbremsassistent. Letzterer bewahrte uns vor einer brenzligen Situation als hinter einer Kurve auf der deutschen Autobahn plötzlich alle Spuren standen und das intelligente System des Fahrzeugs die Bremsung bereits eingeleitet hat, noch bevor wir den Stau und die Auffahrgefahr gar erkennen konnten.

Wir ließen uns die meiste Zeit vom Navigationssystem lotsen. Anfänglich haben wir uns in dem System nicht ganz zurechtgefunden, da die Anzeige etwas überladen an Informationen wirkt, doch nach ein paar Tagen haben wir uns daran gewöhnt. Das Navigationssystem erkennt Staus und Baustellen, reagiert schnell auf Fahrplanänderungen und führt eindeutig und direkt zum Ziel. Was uns besonders gut gefallen hat war eine kurze Information, die nach der Grenz-Überfahrung AUT-DE erschien und auf die jeweiligen wichtigsten Anforderungen und Regulationen des Landes hinwies.

Der 2,8 Liter Dieselmotor mit 177PS spielt gut mit dem Automatikgetriebe zusammen und die Übersetzung durchdacht auf den Wagen abgestimmt. Das 6-Gang-Automatikgetriebe schaltet etwas ungewohnt langsam, jedoch fällt dies nicht weiter störend auf. Bei einem Gewicht von über 2 Tonnen muss die Ampelstart-Rennkarriere wohl abgeschrieben werden, der Land Cruiser ist, wie der Name schon sagt, zum Cruisen gebaut. Und das funktioniert ausgesprochen gut, wo gleich sich das doch recht große Auto nicht schwerfällig anfühlt.
Wir waren außerdem erfreut wieder mal eine echte manuelle Handbremse zu finden, welche optisch und haptisch sehr gut zu diesem bodenständigen Auto passt.

Nach einer Pause an dem wunderschönen See fuhren wir weiter zum Schloss Neuschwanstein. Wir wussten, wir würden in keinem der teuren Hotels mitten in der Stadt übernachten und entschlossen uns das Auto auf seine Schlaftauglichkeit zu prüfen.

Bei der nächtlichen Fahrt die Serpentinenstraße hinauf haben wir ein adaptives Kurvenlicht vermisst, was für einen Geländewagen durchaus einleuchtend erscheint und bei vielen Automodellen mittlerweile Standard ist.

Nach dem Umlegen der Rücksitze bot das Auto wirklich viel Platz und wir brachten zwei Luftmatratzen im Laderaum unter. Durch die Höhe des Autos konnten wir auf unserer Matratze sogar aufrecht sitzen. Das Auto eignet sich somit hervorragend für solche Abenteuer in kompletter Freiheit.
Wir würden für diese Zwecke jedoch die „Variante B“ des Modells empfehlen, bei welcher die Rücksitze auf eine andere Art vorklappbar sind und so eine komplett ebene Fläche entsteht.
Später stellten wir auch fest, dass die Vordersitze wirklich äußerst flexibel verstellbar sind und sich sogar diese für ein Notbett eignen würden (sei es auch nur bei Übermüdung und langen Fahrstrecken). Durch getönte, dunkle Scheiben hatten wir eine ruhige und erholsame Nacht.

Am nächsten Morgen holten wir uns schon früh Tickets für das Schloss und erlebten die (doch etwas sehr kurze) Besichtigung. Danach noch einmal in den dortigen See hüpfen und weiter ging es. Beim Einkauf für die kommenden Tage mussten wir die eine oder andere Parkgarage befahren, welche wohl nicht zu den liebsten Terrain des Wagens zählt. Nicht zuletzt dank der Einparkhilfen, adaptiven Seitenspiegeln und 360°-Kamera des Autos konnten wir uns aber auch hier zurechtfinden. Ein Feature, das bei solch einem Gefährt definitiv in der Stadt aber auch im Gelände seinen Sinn hat. Eine Besonderheit ist die Unterbodenkamera, welche den Boden unter dem Fahrzeug zeigt. So können Beschädigungen durch große Steine oder ähnliches vermieden werden.

Unsere Reise führte uns einige Kilometer in den Norden, in die Pfalz, ein bekanntes Weinbau-und Wandergebiet in Deutschland. Wir fuhren hauptsächlich im Eco-Modus, wodurch wir einen Durchschnittsverbrauch von etwa 8,2 L/100km hatten, was bei einer Masse von über zwei Tonnen durchaus beachtlich ist.

Mittagspause als Picknick auf einem Feldweg. Es war eigentlich das erste Mal, dass wir mit dem Auto auf unbefestigter Straße unterwegs waren und man konnte spüren, dass sich der Land Cruiser hier, mindestens genauso wohl fühlte, wie auf Autobahnen oder Landstraßen.  Hier stellten wir auch schockiert fest, dass der Reise-Kamera-Akku zu Neige geht und testeten die 220V Steckdose im Kofferraum mit welcher wir innerhalb der nächsten 4 Stunden Fahrt den Akku voll aufladen konnten. Generell bietet das Auto viele Lademöglichkeiten. Zwei 12V Autosteckdosen, einen USB Stecker und die eben genannte Steckdose im Kofferraum.

Die Nacht verbrachten wir bei einem Winzer. Mit dem Auto fuhren wir ein Stückchen in die Weinberge, wo wir unser Zelt für zwei Nächte aufschlugen. Zum und vom Zeltplatz gelangte man über eine kurze und starke Steigung. Langsam und sicher fuhren wir diese sowohl bergauf, als auch bergab. Das Ganze fühlte sich sehr stabil und beinahe lächerlich für das Geländefahrzeug an. Bei einer stärkeren Steigung hätte man hier die Höhenverstellfunktion des Luftfahrwerks nutzen können, da die normale Bodenfreiheit für einen Geländewagen relativ gering ist und so das Auto stabil über die Straßen gleitet.

Anschließend fuhren wir weiter nach München und auf dem Weg dorthin neigte sich der „AdBlue“-Tank dem Ende zu. (Für alle die dies nicht kennen: Ein Zusatz bestehend aus Wasser und Harnstoff, der zur Abgasnachbehandlung verwendet wird und den Ausstoß an Stickoxiden (NOx) vermindert).  Es stellte sich als sehr mühsam heraus zu einer Tankstelle zu gelangen, wo eine funktionstüchtige AdBlue Zapfstation vorhanden war. Man muss jedoch sagen, dass dies sicherlich auch weniger problematisch ist, wenn man als Besitzer des Wagens darauf eingestellt ist, da dies nur etwa alle 10-12Tausend km notwendig ist.

Aufgrund der recht warmen Temperaturen war die Klimaanlage während der Fahrt meistens in Betrieb. Sie ist intuitiv einzustellen und es gibt sogar die Möglichkeit die Sitze zu belüften oder -heizen. Auch die Mitfahrer auf der Rückbank kommen bei dem Auto nicht zu kurz und haben ein übersichtliches Modul zur Einstellung der Klimaanlage zur Verfügung. Außerdem verfügt das Auto über eine integrierte Kühlbox, welche gemeinsam mit der Klimaanlage benützt werden kann.

Wie bereits erwähnt fühlten wir uns auch in einer großen Stadt, wie München nicht unwohl mit dem Auto. Bald haben wir einen passenden Parkplatz gefunden und auch das Einparken hat mit den Kameras und Pipsern sehr gut funktioniert.
Nach einer kalten, regnerischen Nacht saßen wir, dick in Kleidung eingepackt, mit warmem Haferbrei im Kofferraum und genießten die Ruhe. Die kleine gläserne Heckklappe des Kofferraums war geöffnet und so konnten wir den Regen und die Natur um uns gut hören und waren trotzdem Wind- und Wettergeschützt.

Die Möglichkeit den Kofferraum auf zwei Varianten zu öffnen bietet vor Allem auch Vorteile in der Stadt. Währen die gesamte Heckklappe nach rechts aufschwingt, kann man alternativ auch nur das Heckfenster öffnen. So hat man beispielsweise auch in einer engen Parklücke, oder bei generell wenig Platz Zugriff zum Kofferraum. Es gäbe bei dem Auto auch die Möglichkeit zwei weitere Sitze im Kofferraum zu platzieren, wodurch das Auto zu einem 7-Sitzer wird.

In München gingen wir türkisch, vegan essen und besuchten das Deutsche Museum, welches ein wirklich großartiges, wissenschaftliches Museum für Kinder und Erwachsene ist. Danach fuhren wir wieder heimwärts, drehten uns über die verbauten JBL-Lautsprecher via Bluetooth Musik auf und düsten Richtung Wien.  Während des gesamten Trips legten wir gute 1500 km zurück und mussten dennoch nur zweimal tanken. Den Kopf voller Erlebnissen, neuer Erinnerungen und doch auch recht müde kamen wir spätabends heim, dankbar für die Erfahrungen, dankbar für die gute Zeit und nicht zuletzt unheimlich dankbar für die tolle Möglichkeit, solch ein Abenteuer mit so einem feinen Auto erlebt haben zu dürfen.

Unser Fazit zum Toyota Land Cruiser:

Unserer Meinung nach handelt es sich hierbei um ein Auto, dass viele verschiedene Aufgabenbereiche abdeckt. Ähnlich wie bei einem SUV kann man mit dem Land Cruiser längere Strecken gut bewältigen, hat ein hohes Maß an Komfort, kann Offroad fahren, kommt auch gut durch Städte und hat eine große Ladefläche oder Platz für 7 Leute. Der entscheidende Unterschied liegt bei der phänomenalen Offroad-Tauglichkeit. Der Land Cruiser bringt seine Passagiere sehr komfortable an Orte, an die die meisten SUV´s nicht kommen.

Es fällt außerdem auf, dass Designer und Ingenieure von Toyota sehr viel Wert auf Praktikabilität und Komfort gelegt und auf Schnickschnack verzichtet haben. Dies kommt dem Innenraum zugute, welcher übersichtlich und minimalistisch wirkt und viel Platz bietet. Das Auto muss nicht etwa mit einer außergewöhnlichen Optik begeistern, sondern überzeugt durch seine „inneren Werte“.

Wie der Name schon sagt ist der Land Cruiser ein Cruiser. Während unserem Roadtrip haben wir dies sehr zu schätzen gelernt und fühlten uns auf eine angenehme Art entschleunigt. Wer jedoch ein Auto sucht um auf der deutschen Autobahn mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs zu sein, ist mit dem Land Cruiser falsch beraten. Für alle anderen ist er ein großräumiges, komfortables Auto, welches sämtlichen Geländebedingungen gewachsen ist.

Die Basisversion des Toyota Land Cruiser als 3-Türer kostet knappe 47.000€ und kommt ohne Offroad-Features. Wer sämtliche Funktionen des Autos, sowie den maximalen Komfort nutzen möchte,  liegt mit der President-Austattung richtig und darf mit einen Preis von 82.400€ rechnen.

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